Das Hauptziel des Vereins Lebenswertes Matznerviertel steckt ja schon im Namen drinnen. Doch was bedeutet „lebenswert“ genauer? Was meinen wir damit konkret? In diesem Artikel geben wir Antworten darauf und stellen unsere ganz konkreten Ideen vor, die wir in gesammelter Form bereits den zuständigen Stellen übermittelt haben.

Doch ein Schritt nach dem anderen: Was sind unsere Hauptanliegen, an denen sich unsere Vorschläge ausrichten? Sie finden sich in unserem Leitbild, dessen Kernbotschaft lautet:

Unser Matznerviertel soll zu einem Grätzl werden, wo Menschen einander begegnen und so selbst ein Teil einer lebendigen Nachbarschaft werden. Auch Menschen, die von außen kommen – sei es um einzukaufen, eine Schule zu besuchen, einen der Parks oder den Friedhof zu besuchen oder wegen des vielfältigen Kulturangebots – sollen den Aufenthalt genießen und gerne verweilen.

Die im Leitbild festgehaltenen Ziele, die wir für das Matznerviertel erreichen möchten, haben wir in einer Ideensammlung konkretisiert. Diese Ziele beziehen sich u.a. auf den Entwicklungsplan für den öffentlichen Raum in Penzing, der im Auftrag der Stadt Wien erstellt wurde, und stellen einen ersten Umsetzungsschritt dar. Wir haben diese Ideensammlung auf Wunsch der Bezirksvertretung zusammengestellt.

Was sind die wichtigsten Anliegen in diesem Papier, kurz zusammengefasst?

  • Wir möchten vor allem den Lebensraum für die Menschen verbessern, die im Matznerviertel wohnen und arbeiten oder es besuchen. Das hat viel damit zu tun, wie gut und gerne sie sich im öffentlichen Raum aufhalten.
  • Zur Lebensqualität gehört auch die gute Erreichbarkeit dazu. Damit sind nicht nur die Autostraßen und Öffis gemeint. Im Alltag ist es oft wichtiger, zu Fuß gut und sicher über eine stark befahrene Straße zu kommen. Oder mit dem Kinderwagen ohne lange Umwege die Bahn zu unterqueren. Wer z.B. die Einkäufe gerne mit dem Fahrrad erledigt, wünscht sich sichere Radwege oder gute Durchfahrtmöglichkeiten für längere Strecken.
  • Schließlich geht es auch um die Temperatur, vor allem im Sommer. In der schönen Jahreszeit wollen wir uns gern im Freien aufhalten, doch gibt’s genug Schatten an den heißen Tagen? Die Hitzeinseln in der Stadt nehmen zu, ebenso die besonders heißen Tage und die Tropennächte, bedingt durch den Klimawandel. Wie können wir uns im Grätzl an diese Folgen gut anpassen?

Im Detail haben wir all das zusammengetragen, was unserer Ansicht nach das Matznerviertel noch lebenswerter machen würde. Damit Sie sich leichter vorstellen können, was gemeint ist, haben wir alles auf einem Grätzlplan eingezeichnet und in der  Ideensammlung ausführlich erklärt.

Die Ideen im Grätzlplan:

Ganz oben in unserem Artikel sehen Sie unseren Grätzlplan, den Sie gerne auch dowloaden können. ŸDas Wichtigste im Überblick:

Sitz-Platz

Die grünen Punkte bezeichnen Sitzgelegenheiten: Das klassische Wiener „Bankerl“, Tisch-Sessel-Kombinationen oder Bäume mit Sitzmöglichkeit drum herum können das Leben leichter und schöner machen: Sie laden zum Verweilen ein oder bieten eine kurze Rast, wenn der Weg zum Supermarkt oder zum Arzt beschwerlich oder lang ist. Das Pausenbrot schmeckt am Bankerl in der Sonne bestimmt besser als am Schreibtisch. Wir wünschen uns viele davon im Matznerviertel – am besten an jeder Straßenecke.

Edelstahlbrunnen auf einem Platz

Trinkbrunnen für die heißen Tage

Nahe am Wasser

Die blauen Punkte stehen für Hydranten. Damit sind nicht jene für die Feuerwehr gemeint, sondern Wasserentnahmestellen, die die Lebensqualität verbessern: oben als Trinkbrunnen für Menschen, unten für Tiere, dazwischen kann ein Schlauch angeschlossen werden, um Pflanzen zu gießen. Denn auch davon wollen wir mehr! Sie sollen an vielen Stellen, am besten bei jedem Häuserblock, und leicht zugänglich sein. Gut für die heißen Tage, denn wie wir alles wissen lautet das Motto „viel trinken“. 

Bei den großen blauen Rauten wünschen wir uns richtige Brunnen.

Lust auf Lesen

Bücherschrank mit Namen Wortschatz

Beispiel eines offenen Bücherschranks

Die beiden gelben Rauten mit einem „B“ drin kennzeichnen offene Bücherschränke. Einer beim Matznerpark, der bereits in Arbeit ist, und einer beim Ludwig-Zatzka-Park. Falls sie nun denken: „Wer braucht denn sowas? Ich kann auch ohne gut leben,“ ein kleiner Gedanke: Wir sind gewöhnt, Bücher entweder zu kaufen oder mit einigen Formalitäten in den Städtischen Büchereien oder an Schulen und Unis auszuleihen. Die offenen Bücherschränke vermitteln ein ganz anderes Lebensgefühl: unkompliziert, formlos, rund um die Uhr. Wer Lust hat, nimmt sich ein Buch. Ohne zu zahlen, ohne es zurückgeben zu müssen. Für einen Tag, für immer, oder bloß für die Mittagspause. Wenn die Büchersammlung daheim zu groß wird, ist der offene Bücherschrank eine gute Möglichkeit, den papierenen Freunden schnell ein neues Zuhause zu verschaffen. Diese einfache Geben und Nehmen erinnert daran, dass wir auch andere Dinge teilen und tauschen könnten. Denn meistens geht es ja eher darum, ein Ding zu nutzen als es zu besitzen. Immer noch nicht überzeugt? Was so beliebt ist, kann nicht ganz falsch sein: Hier gibt’s einen Überblick über die offenen Bücherschränke in Österreich.

 

Es grünt so grün

Bäume beiderseits der Straße

Jetzt wird’s kurz ein bisschen trocken – Stichwort Flächenwidmungsplan. Das ist eine Verordnung der Stadt, die vorschreibt, was wo sein soll oder darf. So kann ein Grundstück z.B. als Bauland gewidmet sein oder aber als Naturschutzgebiet usw. In diesem Plan ist auch eingetragen, wo Bäume stehen sollen. Im Matznerviertel wären das sowohl in der Goldschlagstraße als auch in der Märzstraße „Alleen„, das heißt Bäume auf beiden Straßenseiten. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Viele Pflanzungen wurden – die roten Linien am Plan zeigen es – noch nicht durchgeführt oder nur auf einer Straßenseite. Ausnahmen: Die Linzer Straße und das Stück Goldschlagstraße zwischen Missindorfstraße und Lenneisgasse, gekennzeichnet durch doppelte grüne Linien. Wäre es nicht wunderbar, wenn die fehlenden Bäume endlich da wären? Bäume, unter denen man sich gerne aufhält, die vor allem Schatten spenden und die „Hundstage“ erträglicher machen.

Uns ist bewusst, dass die zuständigen Stellen bei der Umsetzung viele Gegebenheiten berücksichtigen müssen. Ein praktisches Beispiel: Bäume wachsen nicht nur über der Erde, sie müssen auch wurzeln. Da kann es sich schon mal mit Kanalleitungen und anderer Infrastruktur, die wir nützen, aber nicht sehen, spießen. Nicht jede Allee, die im Plan steht, lässt sich also punktgenau so umsetzen. Doch uns geht es vor allem um den Grundgedanken, was es wirklich braucht für Lebensqualität im öffentlichen Raum: mehr Grün, durchlässigere Böden, mehr Wasser, mehr Platz und Plätze, die speziell für Menschen und ihre Bedürfnisse gestaltet sind.

Ein weiteres Anliegen sind uns Fassadenbegrünungen. Dafür gibt es im Matznerviertel so viele Möglichkeiten, dass wir sie gar nicht in den Plan einzeichnen konnten. Hier nur ein paar Beispiele: Die Gemeindebauten, der Wirtschaftspark Breitensee und die Sargfabrik sind heiße Kandidaten für kühlendes Grün. Der Temperaturunterschied kann laut einer Studie bis zu 14 Grad betragen! Pflanzen geben Feuchtigkeit ab, damit kühlen sie ihre Umgebung, während sie der Fassade gleichzeitig Schatten spenden. Eine nackte Fassade hingegen nimmt die Wärmestrahlung nicht nur auf, sondern gibt sie an ihre Umgebung, an die Straße, weiter.

Schauen Sie sich den Plan genauer an: Er enthält noch viele weitere Vorschläge, die Ihre Lebens- und Aufenthaltsqualität im Grätzl erhöhen können!

Wie ist der Stand der Dinge?

Wir haben die Ideensammlung bereits der Bezirksvertretung und den zuständigen Magistratsabteilungen vorgestellt. Das bietet die Möglichkeit, dass die Ideen im Planungsprozess berücksichtigt werden können.

Das ist insofern wichtig, als derzeit eine Reihe an Planungen zur Um- und Neugestaltung laufen und teilweise bald umgesetzt werden sollen. Wir möchten erreichen, dass es bei jeder einzelnen dieser Maßnahmen ein übergeordnetes Ziel gibt: die Verbesserung des Lebensraumes. Wenn das gelingt, ergibt sich daraus im Laufe der Jahre ein ganz neu gestaltetes Grätzl, in dem sich alle gern aufhalten werden. Ein wirklich lebens- und liebenswertes Matznerviertel. 

Extra für Sie …

… haben wir hier die Unterlagen zum Runterladen zusammengestellt. Und dazu eine Frage: Welche Ideen haben Sie fürs Matznerviertel? Welche Veränderungen im öffentlichen Raum wünschen Sie sich, um sich im Grätzl noch wohler zu fühlen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge! Am besten unten im Kommentarfeld oder per Email an info  _ at _ matznerviertel.at.

Download: Ideensammlung zur Gestaltung des öffentlichen Raums im Matznerviertel

Download: Grätzlplan mit eingetragenen Ideen

Download: Leitbild