Am 5. Juni 2019 fand der zweite Teil des Themen-Abends “Gemeinsam versorgt” in Kooperation mit Zeitpolster statt. Der Abend stand unter dem Motto “Z’samm sitzen z’samm essen im Matznerviertel”: Das Ziel war, Menschen aus dem Grätzl zusammen zu bringen in gemütlicher Atmosphäre, die den Austausch und den Zusammenhalt fördert.

Beim Format haben wir uns ein bisschen was von der Oscar-Verleihung abgeschaut: Gemütliches Zusammensitzen bei Brötchen und Getränken, festgehalten von Fernsehkameras und Mikros. Dazwischen gab es “Show-Einlagen” von Akteur*innen aus dem Grätzl. Um leichter ins Gespräch zu kommen, haben wir die Teilnehmenden mit Fragen versorgt, über die sie sich an den Tischen unterhalten konnten. Dass dabei auch andere Themen zur Sprache kamen, war durchaus nicht unerwünscht 😉 Nicht zu vergessen der “rote Teppich” vor Beginn der Veranstaltung: Die eintreffenden “Grätzl-Promis” erzählten im Interview, was sie in ihrem Umfeld bewirken und bewegen.

Kathi, Melanie und Alica von Okto TV haben den Abend zur Erinnerung festgehalten

Die Säulen des Zusammenhalts

Zusammenhalt im Grätzl baut auf verschiedenen Säulen auf: Da gibt es die gewachsenen persönlichen Beziehungen und Kontakte, die das solide Fundament im Leben  darstellen. Doch gerade für ältere Menschen entstehen hier oft Lücken, die auch zu Einsamkeit und Isolation führen können, was sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirken kann. Umso wichtiger ist es, neue Kontakte zu schließen und Menschen kennen zu lernen, die in der Umgebung leben und dadurch leicht erreichbar sind. Neue Beziehungen bringen außerdem neue Impulse und Lebendigkeit.

Eine weitere Ebene sind Organisationen und Institutionen, die gezielt Unterstützung für diverse soziale Anliegen und Herausforderungen anbieten. Oft sind diese Angebote nicht ausreichend bekannt oder es gibt Hemmungen, sie in Anspruch zu nehmen. Aus diesem Grund haben wir einige Vertreter*innen solcher Dienste eingeladen. Sie sind getreu dem Motto des Abends mit den Menschen z’samm g’sessn bei Brötchen und Kuchen. Zwischen den einzelnen Fragerunden haben sie kurz ihre Angebote präsentiert. Sie haben auch Informationsmaterial mitgebracht, das an Infotischen auflag.

Sabine Gruber von Zeitpolster

Chris Kalwei vom Fair-Play-Team Penzing

Sabine Gruber vom Mitveranstalter Zeitpolster stellte das innovative Zeitvorsorgemodell vor: anderen helfen, wenn man es selbst noch kann und dabei Zeitguthaben ansparen. Die kann man dann aufbrauchen, wenn man selbst nicht mehr so fit ist und Hilfe braucht. Das fördert den nachbarschaftlichen Zusammenhalt und gibt gleichzeitig die Sicherheit, dass die geleistete Hilfe zu einem selbst zurückkommt, wenn man älter wird.

Das Fair-Play-Team Penzing ist im öffentlichen Raum, vor allen in den Parks des Bezirks, unterwegs und spricht mit Menschen: Christoph Kalwei erzählt über die aufsuchende Gemeinwesen- und Sozialarbeit. Dabei lassen sich gemeinsam Konflikte und Schwierigkeiten bearbeiten und Menschen in Kontakt bringen, z.B. beim Fair-Play-Café im Park.

Martina Zaussinger, Stadtmenschen Wien

Die Stadtmenschen Wien sind wahre Wunderwuzzis, wenn es Probleme gibt: Martina Zaussinger löst zwar die Probleme meist nicht selbst, doch sie weiß genau, wer weiterhelfen kann. In ihren Sprechstunden in Penzing und anderen Bezirken gibt sie Orientierung in der sozialen Angebotslandschaft von Wien und unterstützt Menschen bei verschiedensten Anliegen. Ob es ums Ausfüllen eines schwierigen Formulars geht, um einen Amtsweg oder auch um die Ratlosigkeit, wenn das Geld zu knapp für die Miete wird oder sich kein Kindergartenplatz für den Nachwuchs findet. Die Stadtmenschen verfügen über einen großen Schatz an Kontakten, die in solchen Situationen die richtige Anlaufstelle sind und weiterhelfen können. Denn gelöste Probleme sind das beste Ruhekissen für eine entspannte Seele und guten Schlaf.

 

 

Die Medien mittendrin

Inge Holzapfel, VORwORTe Grätzl-Zeitung

Eine weitere Säule des Zusammenhalts im Grätzl sind lokale Medien. Inge Holzapfel stellt die VORwORTe, eine Grätzl-Zeitung von und für Menschen entlang der Vorortelinie vor. Sie wird derzeit von drei Stadtteil-Initiativen getragen und gratis zur Verfügung gestellt. Auch lokales Engagement ist ein Thema: Die Zeitung holt Organisationen und Initiativen vor den Vorhang, die sich für ein gutes Miteinander einsetzen. Termine und Veranstaltungen finden in der Zeitung ebenso Platz wie Berichte über aktuelle Ereignisse. Doch  auch brisante Dauerbrennerthemen werden in der Zeitung angesprochen. Die junge Zeitung freut sich über Mitwirkung in der Redaktion ebenso wie über finanzielle Unterstützung: Inserate und Spenden finanzieren die Druckkosten.

Melanie Schiller von Okto TV

Auch unser Medienpartner Okto TV ist Teil des Grätzls: Angesiedelt inmitten des Matznerviertels im Wirtschaftspark Breitensee macht Okto TV Community-Fernsehen. Es geht um die vielen verschiedenen Gemeinschaften, die es in unserer schönen Stadt gibt. Um das, was Menschen bewegt und verbindet und wo es sich reibt. Okto TV ist auch Sprachrohr für Menschen, die sonst wenig gehört werden. Denn im Rahmen von Workshops kann jede*r lernen, wie man Videobeiträge erfolgreich gestaltet. Vielleicht sendet Okto TV sie dann sogar.

Okto TV hat die Veranstaltung in einem schönen Beitrag, der einen guten Eindruck vermittelt, zur Erinnerung festgehalten:

Sozial engagiert

Auch die Kantine 14 hat mit ihrem Catering an diesem Abend gezeigt, was alles im Matznerviertel steckt: Die Brötchen und Kuchen waren nicht nur eine Augenweide, sondern auch die reinste Gaumenfreude. Die Kantine 14 ist ein sozialökonomischer Betrieb mit Vorzeigecharakter: Sie bietet Menschen über 50, die schon längere Zeit keinen Job gefunden haben, einen Arbeitsplatz, an dem sie Neues lernen und ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern. Das Essen ist großteils regional, saisonal, bio und fair. Das ist gut für den Planeten und seine Menschen, für die Umwelt, für die Seele und vor allem für die Gesundheit.

Die Veranstaltung fand im Seminarraum der Sargfabrik statt. Die Sargfabrik ist ein sozialer und kultureller Knotenpunkt im Matznerviertel: Im selbstverwalteten Wohnprojekt leben die Bewohner*innen Gemeinschaft und Zusammenhalt seit nunmehr 20 Jahren. Das Haus hat viele Architekturpreise gewonnen. Bei klanglichen Highlights der Weltmusik kommen Kulturen aus allen Erdteilen zusammen. Das Kinderhaus arbeitet auf reformpädagogischen Grundsätzen und ist auch für Kinder aus der Umgebung offen. Ein Biostand lockt jeden Donnerstag viele Menschen aus dem Grätzl an und ist ein beliebter Treff zum Tratschen und Treffen. Im Badehaus pflegt man internationale Badekultur – eine Oase der Entspannung und Begegnung im hektischen Alltag.

Die Veranstaltung wurde von “Gesund älter werden in Wien” aus Mitteln des Landesgesundheitsförderungsfonds unterstützt.