Radfahren im Alltag ist in unserem Grätzl gut möglich, aber nicht überall. Bei unserem Themen-Abend am 12.3.2018 haben wir uns diesem Aspekt gewidmet, denn nachhaltige Mobilität ist im Leitbild des Vereins Lebenswertes Matznerviertel ein zentraler Punkt.

Ziel des Abends war, dass sich Rad-Bewegte im Grätzl kennen lernen und austauschen. Wir wollten herausfinden, welchen Herausforderungen sie beim Radln täglich begegnen und welche Verbesserungen sie sich wünschen.

Es waren ca. 20 Menschen da, fast alle begeisterte Radfahrer*innen. Die meisten ganzjährig unterwegs, mit Ausnahme von Glatteistagen oder starkem Regen.

Ergebnis des Abends waren viele superhilfreiche Tipps, gemeinsame Anliegen und das Wissen, dass die Rad-Hotspots viele von uns .

Rechtliche Tipps und Informationen

  • Straßenbahn hat immer Vorrang, Radfahrende müssen ihr ausweichen, dürfen nicht vor ihr herfahren. Sehr langer Bremsweg!
  • Autos müssen nicht ausweichen, dürfen aber z.B. nicht rückwärts einparken, wenn Straßenbahn kommt.
  • Bus hat ebenfalls Vorrang, darf aber nicht rücksichtslos fahren (Beschwerden möglich an Wiener Linien, Fahrer bekommen dann Verweis)
  • In Wien gibt es nur drei Fahrradstraßen (Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren. Motorisierter Verkehr darf nur zufahren aber nicht durchfahren. Höchst zulässige Fahrgeschwindigkeit 30 km/h).
    • Kurzes Stück der Goldschlagstraße im 15. Bezirk
    • Kuchelauer Hafenstraße
    • Hofjagdstraße
    • denkbar wären auch: Penzinger Straße, Felbiger Straße, Goldschlagstraße im 14. Bezirk
  • U-Bahn: Fahrrad kann kostenlos mitgenommen werden
  • S-Bahn: Mit Jahreskarte VOR Radmitnahme kostenlos, sonst Fahrradkarte erforderlich
  • Stadt Wien fördert Radabstellplätze in Höfen. Genehmigung des Eigentümers erforderlich. –> an Hausbesitzer herantreten! Förderantrag für Fahrradständer stellen.

Herausforderungen beim Radfahren in Penzing

Viel Einigkeit gab es bei den „Problemzonen“ im Bezirk. Am häufigsten wurden folgende genannt:

  • Hasnerstraße als Vorbild für Goldschlagstraße: gut für gemischte und beruhigte Bereiche, Zufahrt für Autos, keine Durchfahrt
  • Hütteldorferstraße: Bus fährt sehr knapp vorbei, ist gefährlich. –> Nebenfahrbahnen sollten geöffnet werden
  • Cumberlandstraße, Felbigerstraße: Fahren gegen die Einbahn sollte möglich seinSchieberillen am Penzinger Bahnhof gehören neu montiert, Unterquerung der Bahn mit Aufzügen zeitraubend
  • Goldschlagstraße: Fahren gegen Einbahn sollte zwischen Amortgasse und Missindorfstraße ermöglicht werden
  • Schienenstraßen gefährlich: Alternative Routen speziell zu Linzer Straße und Hütteldorferstraße gesucht. Eventuell Baumgartenstraße
  • Ameisgasse: Radweg nicht gut umgesetzt, Anschluss nach Süden fehlt
  • Märzstraße vor Schule: zumindest in der Früh soll Durchfahrt unterbunden werden.
  • Siemens-Gründe: Verkehrskonzept für Alt-Penzing in Entwicklung
  • Anbindung Radweg Kendlerstraße fehlt

Ideen, Gedanken und Wünsche zum Radfahren

Ausgehend von den erwähnten Problemen haben unsere Teilnehmenden sich Gedanken gemacht, wie die Situation verbessert werden könnte:

  • Es braucht mehrere Arten von Radwegen brauchen:
    1. für jene Radfahrenden, denen Schnelligkeit wichtig ist
    2. für die, die sich am Rad im Stadtverkehr unsicher fühlen bzw. lieber in verkehrsberuhigten Zonen fahren
  • Straße ist nicht gleich Fahrbahn!
  • Radfahren ist viel planbarer als Autofahren, da keine Verzögerungen durch Staus, Parkplatzsuche etc. Man braucht für eine Strecke immer gleich lang.
  • Hilfreiche Einstellung: alle Verkehrsteilnehmenden gleichermaßen respektieren. Wir sind alle auch in unterschiedlichen Rollen unterwegs, mal mit dem Rad, mal zu Fuß, mit Öffis, PKW …
  • Radabstellplätze sollten statt Parkplätzen errichtet werden (d.h. auf Kosten von Autoflächen), nicht auf Gehsteigen (d.h. auf Kosten von Fußgängerflächen)
  • Wunsch nach stärkerer Trennung der Verkehrsteilnehmenden, damit sie einander nicht gefährden, behindern oder überfordern.
  • Flächendeckend Tempo 30, dann ist Radfahren auf der Fahrbahn kein Problem.

Anliegen der Gewerbetreibenden und „Rad-Expert*innen“

Wir hatten auch Vertreter*innen von Radstefan, Velobis und der Radlobby Penzing eingeladen, uns ihre Sicht der Dinge mitzuteilen.

  • mehr Radabstellplätze vor den Geschäftslokalen
  • mehr Transparenz, wie man die Abstellbügel bekommen kann
  • Sicherheit beim Fahren erhöhen (z.B. Kreuzung vor Velobis – viele trauen sich nicht hinzufahren, da es zu gefährlich ist)
  • sichere Abstellplätze in den Häusern (viele schrecken vor dem Fahrradkauf zurück, da so viel gestohlen wird)

Ideen für gemeinsame Aktionen und Synergien

Schließlich haben wir auch überlegt, wie wir unsere Kräfte bündeln können. Gemeinsam etwas zu verändern ist ja das zentrale Anliegen des Lebenswerten Matznerviertels. Dabei sind folgende Ideen entstanden:

  • Schwachstellen sammeln und der Politik kommunizieren (die Anliegen der Autofahrenden sind bestens bekannt, die Politik weiß aber nicht ausreichend Bescheid, dass es viele Radfahranliegen gibt) –> gebündelte Kommunikation
  • Sprechstunden der Bezirksvertreter*innen besuchen
  • Zusammenschluss mehrerer Gewerbetreibender für Abstellplätze, eventuell WKO-Bezirksverantwortliche einbinden
  • aktiv auf andere zugehen und Wünsche absprechen, nicht gegen einander ausgespielen lassen
  • Radkummerkasten der Radlobby nützen. Dort können z.B. Gefahrenstellen und Wünsche nach Radbügeln eingetragen werden.