Themenabend mit Filmvorführung und Podiumsdiskussion „Requiem in Weiß“
Montag, 1.12.2025
Nachbericht
Über 100 Personen waren am 1. Dezember 2025 zu Gast im Kulturhaus der Sargfabrik beim Matznerviertel-Film-Abend „Requiem in Weiß“. Der Film von Harry Putz dokumentiert eindrucksvoll und bedrückend das Sterben der Gletscher in den Alpen. In dieser schmerzhaften Hommage an das Verschwinden der Einzigartigkeit des (leider nicht mehr) „ewigen Eises“ kommen Fachleute aus der Naturwissenschaft ebenso zu Wort wie Verantwortliche der Tourismuswirtschaft. In wenigen Jahren werden die letzten Gletscher der Alpen unaufhaltsam verschwunden sein. Diese bedrückende Erkenntnis macht sprachlos und den Film zu einem Weckruf: Was wir verlieren, geht nicht nur uns etwas an – sondern auch die, die nach uns kommen.
In der anschließenden von Karin Kienzl-Plochberger moderierten Podiumsdiskussion schildert der Filmemacher Harry Putz seinen eigenen Werdegang vom Hochalpin-Sportler zum Dokumentarfilmer und damit seine Beweggründe Natur- und Umweltschutz auch filmisch einen hohen Stellenwert einzuräumen.
Klimapolitik-Professor Reinhard Steurer von der Universität für Bodenkultur spannt in seinem Beitrag den Bogen von weltweiten Klimaschutz-Bestrebungen bis zur lokalen Bodenversiegelung, beispielsweise durch völlig aus der Zeit gefallenen Wiener Straßenbau-Vorhaben wie dem Lobau-Tunnel. Gerade das Festhalten der Politik an diesem naturzerstörenden Straßenprojekt könnte Signalgeber werden, dass die Zeit der Klimaschutz-Argumente vorbei ist und in naher Zukunft, ähnlich wie in den 1980er-Jahren in den Donau-Auen von Hainburg, der Protest auf der Straße neu aufflammt. Denn das Fass der Ignoranz politisch Verantwortlicher gegenüber den Bedrohungen unserer Zukunft ist inzwischen übervoll.
Umweltpsychologin Christina Barz unterstreicht die Worte von Reinhard Steurer, dass die Zeit gekommen ist, zu lernen mit Verlust umzugehen. Denn es geht um weit mehr als wirtschaftliche und infrastrukturelle Schäden oder körperliche Gesundheitsbeeinträchtigungen durch die Klimakatastrophe. Es macht auch psychisch krank in eine Zukunft zu schauen, in der es uns schlechter gehen wird. Das Versprechen, dass es von Generation zu Generation besser wird, ist nicht mehr zu halten.
Wencke Hertzsch vom Wiener Klimafahrplan und Penzings Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner schildern die Mühen der Ebene Klimaschutz auf der lokalen Ebene in konkrete Projekte umzusetzen: vom neuen Radweg, über Nachbarschaftsgärten bis zur Pflanzung von Stadtbäumen. Sowohl die Koordination zahlreicher städtischer Dienststellen als auch deren kommunikative Verknüpfung mit der Wohnbevölkerung bezeichnen beide als ausschlaggebend für den Erfolg von Maßnahmen.
Hubert Fragner vom Verein lebenswertes Matznerviertel rundet das Bild ab aus der Sicht engagierter Menschen vor Ort. Er betont, dass es immer wichtiger wird, neben den erforderlichen Klimaanpassungsmaßnahmen auch am gesellschaftlichen Zusammenhalt, an Hilfestellung und Solidarität im Nahbereich zu arbeiten, um die Herausforderungen der Klimakrise zu meistern.


